Auf der Suche nach neuen Einnahmequellen für die klamme Staatskasse hat die spanische Regierung bereits im vergangenen Sommer den Mineralölkonzern Repsol die Erlaubnis erteilt, östlich von Lanzarote und Fuerte Ventura Probebohrungen durchzuführen. Durch die Bohrungen sollte festgestellt werden, ob es vor den Kanaren größere Ölvorkommen gibt, deren Erschließung sehr lukrativ wäre.

Spanische Regierung stellt sich gegen die Inselbewohner

Trotz massiver Proteste von Seiten der Einwohner der Inselgruppe im Atlantik, wurde die umstrittene Bohrung Ende November schließlich durchgeführt. Mit den Ergebnissen wird im Frühjahr gerechnet. Mit dem OK für die Bohrung überging die spanische Zentralregierung in Person von Industrieminister José Manuel Soria die kanarische Regionalregierung, die diese konsequent ablehnte, da sie durch einen möglichen Zwischenfall eine Verschmutzung des Meeres und der Strände des beliebten Urlaubsziels befürchtete. Denn der Tourismus ist der mit Abstand größte Wirtschaftszweig der Inselgruppe und größter Arbeitgeber sowieso. Ein Einbruch der Besucherzahlen durch die Folgen eines Ölteppichs hätte deshalb verheerende Folgen. Um die Bohrungen im letzten Moment doch noch zu stoppen, wollten die Regierungschefs der Kanaren eine Volksbefragung abhalten, die das Verfassungsgericht jedoch untersagte. Daraufhin gab man eine Umfrage in Auftrag mit dem Ergebnis, dass knapp Dreiviertel der Bewohner gegen die Bohrungen sind.

Große Proteste gegen die mögliche Ölförderung

In den größeren Städten der kanarischen Inseln wie z.B. in Las Palmas de Gran Canaria oder in Santa Cruz wird nun schon seit Wochen gegen das als rücksichtslos angesehene Verhalten der spanischen Regierung protestiert. Tausende Menschen gehen auf die Straße, um ihre ablehnende Meinung öffentlich kundzutun. Unterstützt werden sie dabei auch von verschiedenen Umweltgruppen, allen voran Greenpeace, die mit einem Schiff vor Gran Canaria im Einsatz waren. Als letztes verzweifeltes Mittel hat die kanarische Regierung jetzt sogar noch Strafanträge gegen mehrere Minister der spanischen Regierung, die in die Geschäfte mit dem schwarzen Gold involviert sind, gestellt. Ob diese jedoch Erfolg haben bleibt abzuwarten und ist realistisch betrachtet mehr als unwahrscheinlich.